Und das Blut floß in Strömen

08.11.2004 11:41

25 Jahre Schulsanitätsdienst am Cojobo

Eigentlich müsste Bernhard Hietkamp erst zur fünften Stunde in seiner Schule, dem Bonner Collegium Josephinum (CoJoBo), sein. Doch der Zwölftklässler des Jungengymnasiums, das sich in Trägerschaft des Redemptoristen-Ordens befindet, war bereits zur ersten Stunde da. Überpünktlich? Nein, vielmehr ein Zeichen von Verantwortungsbereitschaft. Denn bis zu seinem Unterrichtsbeginn übernimmt er den Bereitschaftsdienst als Schulsanitäter. Im Sanitätsraum wartet er auf "Patienten", die den seit 25 Jahren bestehenden Schulsanitätsdienst in Anspruch nehmen. Und dass täglich einige der rund 1250 Jungen des Gymnasiums und der Realschule des CoJoBo sanitätsdienstliche Hilfe benötigen, ist so sicher wie das "Amen" am Ende des morgendlichen Schulgebets.

"Für die Schule habe ich mich immer schon gerne engagiert", erklärt der 16-Jährige, "Sani-Dienst ist was für mich. Außerdem bin ich medizinisch interessiert." Zusammen mit 20 weiteren Jungen versieht er unter Leitung von Pater Dr. Jürgen Langer CSsR die Aufgaben als Schulsanitäter. Dazu haben er und seine Kameraden eine Ersthelfer- und erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung absolviert. Danach folgten für die Jungen weitere Fortbildungen. Alle zwei Jahre startet ein neuer Ausbildungskurs. Interessenten müssen bei Beginn mindestens 14 Jahre alt sein. Ab 17 Jahren kann man sich zum Rettungshelfer ausbilden lassen. Pater Langer legt Wert darauf, dass man keine "Kaderschmiede Medizin" sei. Die beiden 15-jährigen Sanitäter Stephan Hildebrand und Dominik Henze geben zwar zu, an Medizin interessiert zu sein und im Sanitätsdienst eine Grundlage für ihre Zukunft zu sehen, aber Max Weyler, 17 Jahre, drückt die gemeinsame Grundüberzeugung aller aus: "Es ist gut, Menschen in Not helfen zu können." Bevor Bernhard Hietkamp erstmals einen Sanitätsdienst übernahm, hatte er an über 100 Stunden Ausbildung teilgenommen. "Nach der Sanitätsausbildung folgen einige Fortbildungen in unregelmäßigen Abständen", berichtet der Schüler, dessen Leistungsfächer Mathematik und Physik sind, und fügt hinzu: "Es ist schön zu wissen, was in einem Notfall zu tun ist, um helfen zu können."

Der Sanitätsdienst am CoJoBo, der in enger Kooperation mit dem Malteser Hilfsdienst (MHD) steht, entstand 1979. Damals regte ihn der Schüler Jürgen Langer an. Bis zu seinem Abitur 1982 wirkte er am Aufbau mit. Danach trat er in den Orden der Redemptoristen ein und empfing 1991 die Priesterweihe. Seit 1992 leitet er den Schulsanitätsdienst. Beim Malteser Hilfsdienst ließ er sich zum Rettungsassistenten ausbilden. "Ich halte es für eine unglaublich gute Gelegenheit für Jugendliche, ein positives Engagement zu entwickeln", zeigt sich der 41-jährige Schulseelsorger des CoJoBo vom Schulsanitätsdienst überzeugt und ergänzt: "Und es ist eine gute Gelegenheit, um zu lernen, als Christen für andere da zu sein."

Im Schuljahr 2003/2004 waren die Sanitäter 1344 Mal "für andere da". Das Einsatzspektrum ist breit gefächert und reicht vom täglichen Pausendienst über den Bereitschaftsdienst während des Schultages bis zur Verfügbarkeit am Nachmittag. Darüber hinaus stehen sie bei Fußballturnieren bereit und sie begleiten Klassenfahrten oder Sommerlager. Beliebt ist bei den jungen Rettern die "realistische Unfalldarstellung". Bei Übungen mit anderen Rettungskräften simulieren sie Unfallopfer und lernen dabei.

In den Sanitätsraum kommen die Schüler meistens mit Prellungen, Riss- oder Platzwunden, Nasenbluten, Bauchschmerzen oder Übelkeit. In der Pause ist Kevin Passon gefallen und hat sich eine blutende Schürfwunde zugezogen. Selbstverständlich lässt der Siebtklässler die Wunde vom Sanitäter reinigen und verbinden. Zum Schulsanitätsdienst stellt er schlicht fest: "Der ist praktisch."

Als Kevin längst wieder in seinem Klassenraum sitzt, füllt Bernhard Hietkamp die "Patientenkartei" aus.

Darin dokumentiert er die Behandlung sowie weitere notwendige Informationen. So behalten Pater Jürgen Langer und seine 21 Sanitäter stets den Überblick über die Vorkommnisse und die entsprechenden sanitätsdienstlichen Maßnahmen. Dass sie einmal einen Tag ohne Aufgaben sind, befürchten Pater Langer und seine Mannschaft nicht: "Der Sportunterricht enttäuscht uns nie."

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