„Lernen auf Distanz!?“ - Ein Blick zurück, ein Blick nach vorne!

01.05.2020 23:01 von Thomas Wilbert

Eindrücke der erweiterten Schulleitung des Gymnasiums

Liebe Jungen, sehr geehrte Eltern, liebe Kolleg*innen,


in den vergangenen Wochen haben wir alle – Schüler, Eltern, Lehrer- und Mitarbeiter*innen – ungewollt und wie aus dem Nichts eine neue Form von Schule erleben müssen, die unseren gängigen Vorstellungen von Unterricht diametral entgegensteht: „Lernen auf Distanz!“ Und in diesen Tagen häufen sich die Anzeichen dafür, dass wir uns wohl auch auf nicht absehbare Zeit, vielleicht über die Sommerferien hinaus, mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass der Präsenzunterricht in der Schule nur einen Teil der Regelbeschulung darstellen wird.

Das weltweite Leben hat sich spätestens seit Anfang März in einer Weise verändert, wie es sich wahrscheinlich die wenigsten von uns bis vor kurzem hätten vorstellen können. Dass Schule von den gravierenden Veränderungen nicht unberührt bleiben kann, zeichnete sich rasch ab, und dass seitdem auch das CoJoBo vor enormen Herausforderungen steht, dürfte leicht vorstellbar sein. Nun, Anfang Mai, ist es Zeit, ein kurzes Zwischenresümee zu ziehen und einen vorsichtigen Ausblick zu wagen.

Was wissen wir? Und was nicht?

Was Schule und Unterricht betrifft, wissen wir aktuell eigentlich immer noch recht wenig. Seit dem 16. März sind unsere Jungen von der landesweiten Schulschließung betroffen, der Unterricht wird in verschiedensten Formaten als „Homeschooling“ aufrechterhalten, die Abiturprüfungen wurden verschoben, finden aber ab Mitte Mai statt, und die Klasse 10 der Realschule sowie unsere Abiturienten erhalten seit dem 23. April wieder innerschulische Lernangebote zur Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfungen.
Viel mehr wissen wir jedoch nicht! Wann die anderen Jahrgänge wieder die Schule besuchen dürfen, welche Klassen und Kurse zuerst zurückkehren können, zu welchen Zeiten welche Fächer unterrichtet werden, ob und wie viele Klassenarbeiten bzw. Klausuren geschrieben werden, ja welche Form von Zeugnissen es überhaupt geben wird, steht nach wie vor in den Sternen. Wir hoffen, dass wir alle diesbezüglich in den kommenden Tagen und Wochen mehr erfahren, aber sicher ist in diesen Zeiten gar nichts.

Wie hat das CoJoBo auf die Herausforderungen reagiert?

Es ist unmöglich, an dieser Stelle all die großen und kleinen Maßnahmen aufzuführen, die an unseren beiden Schulen ergriffen wurden, aber ein kurzer Abriss kann vielleicht einen Eindruck davon vermitteln, auf welchen Feldern wir aktiv wurden.
Seit dem 27. Februar, als unsere beiden Schulleiter Sie über unsere Homepage – es gab zu diesem Zeitpunkt noch keinen nachgewiesenen Corona-Fall in Bonn – erstmals über mögliche Auswirkungen des Coronavirus auf das Schulleben informiert haben, ist kein Tag mehr vergangen, an dem wir uns am Josephinum nicht intensiv mit den Ereignissen auseinandergesetzt haben. Davon, dass binnen kurzer Zeit der ganze Schulalltag außer Kraft gesetzt sein würde, konnte damals aber noch keine Rede sein. So konnten beispielsweise noch alle Vorabiturklausuren wie geplant abgehalten werden. Mit der ministeriellen Empfehlung vom 8. März, schulische Veranstaltungen sowie Veranstaltungen in der Schule bis zu den Osterferien auszusetzen, wurde aber dann rasch klar, dass sich größeres Unheil zusammenbraut. Spätestens von diesem Moment an begannen unsererseits Planungen, wie man weiteren Verwerfungen entgegentritt, insofern traf uns dann auch die Schulschließung am 16. März nicht unvorbereitet.
Entsprechend haben alle unsere Jungen vom ersten Tag an, die SI-Schüler zur besseren Kontrolle gebündelt über die Ordinarien, Aufgaben für das sogenannte „Homeschooling“ erhalten. Dem Entfall des Sportunterrichtes wurde frühzeitig durch Challenges mit altersangepassten Zielen entgegenzuwirken versucht, die „Krönung des Tages“ bot Schülern mit größeren Kapazitäten weitere Leistungsanreize.
Die Organisation von Online-Gruppenbildung in Microsoft 365 wurde direkt von der ersten Woche an standardisiert, die Erstvergabe von Accounts wurde bis auf die Jgst. 5 erweitert, samt aktualisierter Datenschutzerklärungen. Inzwischen verfügen auch unsere Sextaner über einen eigenen Account und sind – wie alle anderen Schüler – in unser schulisches Kommunikationssystem eingebunden.
Im Hintergrund ist unsere „IT-Abteilung“ unter der Leitung von Herrn Neffgen im Übrigen seit vielen Jahren mit hohem finanziellen und zeitlichem Aufwand täglich damit beschäftigt, unsere vielfältige und leistungsfähige digitale schulische Infrastruktur zu pflegen, erweitern, aktualisieren und optimieren.
Von den ersten Tagen der Schulschließung an unterstützen sich Kolleg*innen wechselseitig im Bereich „Vielseitigkeit der Vermittlung“ über selbstgedrehte Lernvideos, Nutzung von OneDrive, SharePoint und anderen Plattformen innerhalb unseres Systems, aber auch über YouTube. Andere Fortbildungen zur Nutzung der IT finden in verschiedenen Formen in unserem Haus und natürlich auch online statt mit dem Ziel, zunehmend kompetenter im Onlineunterrichten zu agieren.
Insbesondere unsere Abschlussjahrgänge wurden und werden intensiv in der Wiederholung unterstützt und viele von ihnen nutzen die verschiedenen Rückfragemöglichkeiten nach Kräften.
Die erweiterte Schulleitung tagt seit Beginn der Schulschließung in engster Taktung, besonders unmittelbar nach den jeweils neuesten Schulmails, Verfügungen und Erlassen, um eine angemessene Umsetzung derselben an unseren beiden Schulen sicherzustellen, wobei Elternreaktionen, Hinweise, Sorgen und Nöte sowohl in die Planung als auch in die methodische Umsetzung der Arbeitsaufträge einbezogen wurden und werden. Dass die Sekretariate und die Schulleiter stets vor Ort präsent sind, versteht sich von selbst.
Viele Kolleg*innen tauschen sich in verschiedensten Formaten jahrgangsspezifisch, aber auch jahrgangsübergreifend über die Wirksamkeit ihrer gewählten Methoden und Ideen aus; auch der Kontakt zu den Pflegschaften und Elternhäusern wird in diesen Tagen besonders intensiv gepflegt.
Die Notbetreuung kümmert sich um die Kinder, denen zu Hause keine Möglichkeit zur Arbeit bzw. Aufsicht gegeben ist – auch in den Ferien. Und sollte es einen Mangel an technischer Ausstattung zuhause geben, leisten wir unbürokratisch Hilfestellung vom kopierten Blatt bis zu kompletten (End-) Geräten. Die Lernplattform Moodle wurde innerhalb des Hauses aufgebaut und wird für Einzelförderungen eingesetzt.

Was wäre das CoJoBo ohne die Schulseelsorge und seine Mitarbeiter*innen?

Und nicht nur die Lehrer*innen wurden aktiv. Auch unsere Verwaltung, die Sekretariate sowie unsere Hausmeister haben das Gebäude und die schulische Ausstattung gründlich aufgeräumt und so ausgestattet, dass einer Rückkehr unserer ersten Schüler nichts im Wege stand, wobei in diesem Zusammenhang Pater Langer und seinem Team von der Schulseelsorge ein ganz besonderes Kompliment gemacht werden muss, die mit einem eigens ausgearbeiteten Hygienekonzept dafür gesorgt haben, dass dem Infektionsschutz am CoJoBo in besonderer Weise Rechnung getragen wird.
Apropos Schulseelsorge: Gemeinsam mit dem Schulsozialarbeiter sowie den Beratungsteams von Realschule und Gymnasium stellt sie sicher, dass all jene Schüler und Familien, für die die aktuelle Situation eine besondere seelische Belastung darstellt, bei uns rund um die Uhr einen Ansprechpartner finden. Sogar das Osterfest konnte unter dem Motto „Ostern findet statt“ gefeiert werden.

Die "Mühen der Ebenen"

Dieser Katalog ist keineswegs vollständig und könnte sicher durch weitere "Best-practice-Beispiele" zahlreicher Kolleg*innen ergänzt werden. Und dennoch waren viele Maßnahmen zunächst natürlich improvisiert. Aber wir alle sind darum bemüht, unser Handeln zu optimieren. „Lernen auf Distanz“ ist für uns alle eine neue Erfahrung. Und nicht immer läuft alles rund. Da können Arbeitsaufträge nicht transparent genug sein, mancher unserer Jungen sieht sich über-, mancher eventuell auch unterfordert, Schüler und ihre Eltern fühlen sich bisweilen vielleicht auch zu wenig unterstützt, wir Lehrer*innen schätzen vielleicht auch die häuslichen und technischen Möglichkeiten unserer Schüler und ihrer Familien nicht immer richtig ein.

Und wir Lehrer*innen? Wir müssen jetzt genau wie unsere Schüler erst einmal lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Wie sieht mein Online-Angebot aus? Ist es angemessen? Folgt es einem didaktischen Konzept, oder schicke ich nur Arbeitsblätter heraus? Wie steht es eigentlich mit meiner „Feedbackkultur“? Erreiche ich meine Schüler? Und was ist mit den Eltern? Dass in den vergangenen Wochen nicht immer alles rund gelaufen ist, steht außer Frage.
Allerdings sind wir bei unserem Vorgehen nicht planlos verfahren, sondern unsere Pläne mussten sich stets den Entwicklungen, Erfahrungen und den schrittweise erweiterten Möglichkeiten anpassen. Und das wird wohl auch noch einige Zeit so bleiben.

Wie geht es weiter?

Dass uns die Corona-Krise auch in den kommenden Wochen und Monaten und wohl auch nach den Sommerferien mehr beschäftigen wird als uns allen lieb ist, steht außer Frage. Bereits jetzt laufen daher zahlreiche Vorbereitungen. So bereiten beispielsweise die Koordinatoren für die Stundenplanung verschiedene Szenarien der Wiederaufnahme von Unterricht vor, damit dem Recht eines jeden Jahrgangs auf einen geordneten Wiedereintritt in unsere Schule Rechnung getragen wird.
Ein besonderes Anliegen ist uns aber, das Lernen auf Distanz weiter zu professionalisieren. Hier spielt gewiss die oben angesprochene Didaktisierung eine große Rolle und damit verbunden ein ausgewogenes Maß zwischen Arbeiten, die von unseren Jungen zuhause zu erledigen sind, und regelmäßigen Begegnungen in „Teams-Konferenzen“ oder anderen Formaten, sodass ein progressiver, nachhaltiger und zugleich abwechslungsreicher Unterricht möglich wird.
Allerdings, dies möchten wir an dieser Stelle zu bedenken geben: Auch wir Lehrer*innen und Mitarbeiter*innen sind Eltern, die bisweilen ebenso an den eigenen Kindern verzweifeln, wenn das mit dem häuslichen Unterricht nicht so klappt oder das zehnte Arbeitsblatt vom Drucker verschluckt wurde, auch wir haben pflegebedürftige Angehörige, die wir teilweise noch nicht einmal besuchen dürfen, und auch wir gehören sogar manchmal zur sogenannten „Risikogruppe“, auch wenn wir das bis gestern gar nicht dachten. Wenn also auch in Zukunft manchmal nicht alles so funktioniert, wie wir uns das vorgenommen, ja wie wir es angekündigt haben, bitten wir um Nachsicht.
Dass sich Schulleitung und Kollegium in dem Ziel, das „Lernen auf Distanz“ so gut wie möglich zu arrangieren, einig sind und dabei Hand in Hand arbeiten, haben die vergangenen Wochen bewiesen. Auch wir am Josephinum sind noch mehr zusammengerückt, als das ohnehin schon der Fall war. Handlungsempfehlungen der Schulleitung, die sich aus Rückmeldungen von Schülern, Eltern und Kolleg*innen ergeben, werden sicher auch in den kommenden Wochen auf ein breites Echo stoßen. Hier zeigt sich im Übrigen einmal mehr, dass das Josephinum für die allermeisten von uns mehr ist als eine normale Schule, sondern ein gutes Stück Heimat, mit tollen Schülern, wunderbaren Kolleg*innen und ausgesprochen kooperativen Elternhäusern!

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