Informationsabend zum Lehrerraumprinzip an der Realschule

23.04.2018 13:24 von Dirk Berger

 

Weder Heilslehre noch Weltuntergang – aber einen Versuch wert

(von L. Fischersworring und A. Haupt, 23.04.2018)                                                                                                                                

 

Als im Anschluss an die von Bildungsministerium und Erzbistum 2014 am CoJoBo durchgeführte Qualitätsanalyse (QA) im Realschulkollegium Möglichkeiten zur Verbesserung der Unterrichtsqualität diskutiert wurden, kristallisierte sich bald als ein zentraler Punkt die Frage nach der Einführung des sogenannten Lehrerraumprinzips (LRP) heraus. Darunter versteht man die Nutzung der Unterrichtsräume nach dem folgenden Organisationsprinzip: Die Schüler kommen zu den Lehrer/innen in deren entsprechend ausgestattete und gestaltete Lehr- und Lernräume – und nicht umgekehrt die Lehrer/innen zu den Schülern in deren Klassenräume. In ca. der Hälfte der Fächer mit einem entsprechenden Fachraum (z.B. Biologie, Physik, Chemie, Sport, Kunst, Musik, Religion, SoWi-Kurse) wird dies allerdings auch schon beim Klassenraumprinzip praktiziert, sodass eine Umstellung v.a. für die Schüler keine allzu große Veränderung bedeuten würde.

 

Positive Erfahrungen mit einem solchen System bei Mitgliedern des Kollegiums, u.a. die unserer Konrektorin Frau Schubert an ihrer letzten Schule, und der Wunsch nach besseren Arbeits- und Unterrichtsbedingungen auch zum Wohle der Schüler führten dazu, dass im vergangenen Jahr beinahe einstimmig von Schulleitung und Kollegium der Realschule der Eintritt in eine konkrete Vorbereitungsphase beschlossen wurde, um die Realisierungsbedingungen eines solchen Vorhabens zu eruieren.

 

Es folgte die Gründung einer fünfköpfigen Arbeitsgruppe, die sich fortan im ständigen Austausch mit Schulleitung und Kollegium, Schülern und Eltern um die Beschaffung zuverlässiger Informationen zur Durchführbarkeit einer Versuchsphase des LRPs kümmerte. So wurden verschiedene Darstellungen von (Real)Schulen, die bereits Erfahrungen mit dem Wechsel zum LRP gemacht hatten, geprüft und zur Grundlage eines Abwägens von Vorzügen und Bedenken gemacht; Hospitationen von unseren Lehrern und Schülern an zwei LRP-Schulen (Realschulen Wesseling und Mondorf) vorgenommen, um sich „vor Ort“ ein Bild machen zu können; Raumverteilungs-/-besetzungsmöglichkeiten und Modellstundenpläne berechnet; pädagogische, methodisch-didaktische und organisatorische Bedingungen analysiert und erörtert; ausführliche Informationsschreiben an sämtliche Schüler, Eltern und Lehrer/innen versandt; das Lehrerraumsystem zu Beginn des laufenden Schuljahrs in allen Klassenpflegschaftssitzungen und Gremien präsentiert; eine spezielle Mailadresse besonders für Eltern und Schüler als Forum für Fragen, Anregungen und Kritik eingerichtet und deren Resonanz ausgewertet; am Tag der offenen Tür eine Befragung von potenziellen zukünftigen Schülern und Schülereltern durchgeführt sowie ein schriftliches Konzept für eine Testphase entwickelt.

 

Am Donnerstagabend, dem 19. April 2018, trafen sich schließlich auf Einladung der Schulleitung noch einmal interessierte Eltern und Schüler, Vertreter des Schulträgers und das komplette Realschulkollegium in unserer Aula zu einem Erfahrungs- bzw. Informationsaustausch – bevor dann zur Durchführung einer LRP-Probephase im nächsten Schuljahr die schriftliche Abstimmung in den einzelnen Schulgremien erfolgt, auf deren Grundlage letztlich der Schulträger eine Entscheidung treffen wird.

 

In Anwesenheit von zwei LRP-Experten, Herrn Both (Konrektor an der Realschule Wesseling) und Frau Eichwald (Lehrerin an der der Werner von Siemens Realschule in Gladbeck und Assoziierte des Redemptoristenordens im Jugendkloster Kirchhellen), die beide äußerst sachkundig, differenziert und engagiert ihre Haltung zum LRP referierten – wofür ihnen auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich gedankt sei! –, entspann sich eine rege und klärende Diskussion, an der sich erfreulicherweise nicht nur viele Eltern und Lehrer/innen, sondern auch einige Schüler nachdrücklich  beteiligten, sodass am Ende die meisten Anwesenden wohl mit dem Gefühl in den schon recht späten Frühsommerabend gegangen sind, vor einer interessanten Herausforderung im Bereich der Schulentwicklung am CoJoBo zu stehen.

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