Schulgeschichte

1880 bis 1920 Die Anfänge in Vaals (NL)

Als das Collegium Josephinum 1880 gegründet worden ist, sollte es ausschließlich Nachwuchs für den Orden heranbilden. Viele Orden hatten vergleichbare "Juvenate" eingerichtet, in denen die Schüler auch wohnten. Bismarcks Kulturkampf hatte es damals allerdings nicht erlaubt, die Schule direkt auf preußischem Boden zu eröffnen. So wichen die Redemptoristen in das niederländische Vaals aus, das unmittelbar an der Grenze zu Aachen liegt. Mit 22 Juvenisten begann hier am 2. Mai 1880 der Schulbetrieb. Nach den Jahren des Aufbaus zählte man dann jährlich etwa 90 Schüler, die in einem strengen Tagesablauf auf das Ordensleben vorbereitet wurden. Eigentlich hatte man bald nach dem Ende der politischen Widrigkeiten im Deutschen Kaiserreich ins Rheinland umziehen wollen und auch schon den eigenen Unterrichtsbetrieb auf das preußische Schulsystem umgestellt, aber der Erste Weltkrieg vereitelte diese Pläne.

1920 bis 1933 Der Umzug nach Bonn

Die Josephshöhe

1920 erfolgte der Umzug des Collegium Josephinum von Vaals nach Bonn. Hier hatte man die "Unterrichts- und Erziehungsanstalt St. Joseph auf der Höhe" erwerben können, die der Bonner "Katholische Verein" seit 1871 "für verwahrloste Knaben" betrieb, allerdings in den Kriegsjahren wegen finanzieller Probleme einstellen musste. Es fügte sich also glücklich, dass wieder eine Einrichtung an diesen Platz zog, die den Namen des Hl. Joseph trug. In den Folgejahren wuchsen die Schülerzahlen auf etwa 200 und auch die Gebäude wurden modernisiert und erweitert. Die Juvenisten stammten aus allen Teilen des Deutschen Reichs und waren von Zubringerschulen in Winterberg (Sauerland) und Patschkau (Schlesien) oder von dem Orden verbundenen Geistlichen nach Bonn empfohlen worden. Weit vor den Toren der Stadt gelegen, von einer hohen Mauer eingefriedet, sah man den Standort als ideal, die Juvenisten fernab von den Versuchungen der Welt an das Ordensleben heranzuführen. Es gab keine Schüler aus Bonn und die Kontakte zur Stadt waren selten. Im Bonner Volksmund hießen die Juvenisten nur "Hüh-Kadetten", also die Jungen von der (Josefs-) Höhe. Nachdem auch eine größere Zahl der Patres ein Lehramtsstudium absolviert hatte, erhielt das Collegium Josephinum 1930 den Rang eines staatlich anerkannten Gymnasiums mit dem Recht, selbst Abiturzeugnisse zu verleihen. Die Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen der Schule 1930 spiegelt den Stolz über das Erreichte.

1933 bis 1945 Schikanen, Schließung, Bombenschäden

Wie für alle katholischen Einrichtungen bedeutete die NS-Zeit auch für das Collegium Josephinum eine Phase der systematischen Behinderungen der kirchlichen Erziehungsarbeit. Eingriffe in die Unterrichtsinhalte, Benachteiligungen für die inzwischen auch weltlichen Lehrer und Schikanen für die Eltern, die ihre Söhne auf diese Schule schickten, waren an der Tagesordnung. Auch wenn die Zahl der Juvenisten daraufhin etwas zurückging, der Schulbetrieb kam nicht zum Erliegen. In gewissem Maße erlaubte die periphere und abgeschlossene Lage des Collegium Josephinum ein "Insel-Dasein", das manche üble Entwicklungen von den Schülern fernhalten konnte. Intensives Engagement im Theaterspiel, musikalischen Schaffen und Sport prägten neben der religiösen Erziehung jene Jahre. Am 18. Januar 1940 kam die staatliche Weisung, dass die Schule umgehend zu räumen sei, damit ein Feldlazarett eingerichtet werden könne. Die meisten Schüler verließen Bonn und gingen zurück in ihre Heimatorte. Aber für 60 Juvenisten gab es keine Schulen im elterlichen Umfeld. 40 von ihnen zogen um ins Redemptoristenkloster, in dem sie wohnen konnten. Zusammen mit den 20 übrigen, die privat in Bonn Quartier gefunden hatten, besuchten sie das Beethoven- oder Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium. Bis zur Beschlagnahmung des Klosters durch die Geheime Staatspolizei am Gründonnerstag, dem 10. April 1941, bestand dieses "Kleine Juvenat". Im Gegensatz zu Angehörigen anderer Ordensgemeinschaften brauchten die Redemptoristen das Rheinland nicht zu verlassen. Einige der Patres fanden in Bonn und Köln Unterschlupf und hielten weiterhin Kontakt zu ihren ehemaligen Schülern. Nach der Lazarett-Nutzung 1940 zog 1941- 1944 eine staatliche Lehrerbildungsanstalt in die Schulräume. Am 28. Dezember 1944 traf eine Luftmine das wenige Wochen zuvor geräumte Gebäude und beschädigte es schwer. Sich anschließende Plünderungen taten ein übriges, den Schaden zu vergrößern.

1945 bis 1949 Der Neuanfang

Noch am Tag des amerikanischen Einmarsches in Bonn, dem 9. März 1945, nahmen einige in der Stadt verbliebene Patres das Kloster und Schulgebäude wieder in Besitz. In den folgenden Monaten nutzten jedoch mehrere hundert amerikanische Soldaten die nicht zerstörten Teile der Anlage als Quartier. Nach und nach fanden sich eine Reihe der versprengten Juvenisten ein und der Unterricht konnte am 1. September 1945 mit etwa 30 Schülern behelfsmäßig wieder aufgenommen werden. Wie überall fehlte es an allem, an Nahrung, an Wohnraum, an Unterrichtsmaterialien, nur nicht an Lebensfreude und Zuversicht. Auch die Juvenisten waren in die Aufräumungsarbeiten der Bombenschäden eingespannt und der Wiederaufbau des zerstörten Schulflügels erstreckte sich angesichts des Mangels an Geld und Baustoffen über fünf Jahre. Der Orden hatte auch an anderen Niederlassungen beträchtliche Schäden erlitten und kämpfte jahrelang um eine gerechte Verteilung der immer zu knappen Mittel. In dieser Situation kam die Anfrage der Stadt Bonn nur recht, ob das Collegium Josephinum auch Bonner Schüler aufnehmen könne, die nicht den Ordenseintritt anstrebten und auch im Elternhaus wohnen blieben. Das muss im Frühjahr 1949 gewesen sein, als der Parlamentarische Rat in Bonn am Grundgesetz arbeitete und sich Chancen für die Stadt abzeichneten, im geteilten Deutschland Sitz der Bundesregierung zu werden. Die beiden anderen für Jungen zugänglichen Gymnasien waren schon jetzt völlig überfüllt und die Entscheidung für Bonn als provisorische Bundeshauptstadt am 10. Mai 1949 ließ einen kräftigen Zuzug von Neubürgern mit schulpflichtigen Kindern erwarten. Im Sommer 1949 fiel dann ohne große Diskussionen die Entscheidung der Ordensleitung, das Collegium Josephinum auch für externe Schüler zu öffnen. Als Gegenleistung sicherten das Land NRW und die Stadt Bonn finanzielle Zuschüsse für den noch immer stockenden Wiederaufbau der Schule und Wohnräume für die Juvenisten zu. Für die im Juvenat (d.h. Internat) lebenden Schüler galt weiter als Berufsziel Ordenseintritt oder weltliches Priestertum.

1950 bis 1980/1983 Innerer und äußerer Wandel

Seit Ostern 1950 besuchten die ersten 30 externen Schüler das CoJoBo. Noch hatten die Internen mit 189 Jungen eine klare Mehrheit. Aber in der stark wachsenden Schule zogen die Externen im folgenden Jahrzehnt gleich und seit 1965 bilden sie eine immer deutlicher werdende Mehrheit. Mit etwa 350 Schülern zählte man zwar noch zu den kleinen Bonner Gymnasien (zum Vergleich 1965 z.B.: Beethoven-Gymnasium 639 Schüler, EMA 838 Schüler), aber jetzt war man eine Schule für Bonn und sein nordwestliches Umland geworden und nicht mehr nur eine Schule in Bonn. Die Beschlüsse für einen zwei- (1960) und dann dreizügigen Ausbau (1972) des Collegium Josephinum folgten der großen Nachfrage in Stadt und Umland und ließen die Schülerzahlen bis 1980 auf etwa 800 steigen. Jetzt gehörte man zu den größeren Gymnasien Bonns. Der alte Schulbau platzte aus allen Nähten und fünf "Feldhäuser" (d.h. Holz-Pavillons) auf dem Schulgelände schufen seit 1960 weiteren Raum. Es waren die Jahre unter der Leitung Pater Konrad Welzels (1953 bis 1980 Direktor des CoJoBo), die nicht nur dieses rasante Wachstum erlebt haben, sondern auch eine sich allmählich vollziehende Neuorientierung des Ziels der Schule. Der Wunsch von Kindern und jungen Männern, die Schule und ihr Internat mit dem Ziel des Ordenseintritts zu besuchen, war schon Mitte der fünfziger Jahre deutlich zurückgegangen. Das führte zu manchen Spannungen, wenn interne Schüler damals wegen der Aufgabe ihrer ursprünglich bekundeten Absicht, Ordensgeistlicher werden zu wollen, umgehend Internat und Schule verlassen mussten. Mit der Aufnahme von Spätberufenen in ein eigenes Fördergymnasium (1955 bis 1968) wollte der Orden diesem Rückgang entgegenwirken. Aber 1965 fügte man sich dem Lauf der Zeit und band die Aufnahme im Internat nicht mehr zwingend an den Wunsch, nach dem Abitur dem Orden beitreten zu wollen. Hier setzte die Entwicklung zur heutigen Zielsetzung des Collegium Josephinum ein, generell Jugendliche intensiv an das Christentum heran zu führen, auch als Laien.

Ein beschämendes Kapitel der Schulgeschichte der fünfziger und sechziger Jahre bedeutet die erst Jahrzehnte später bekannt gewordene Tatsache, dass auch im Internat des Collegium Josephinum einzelne Patres das Vertrauensverhältnis zu mehreren der ihnen anvertrauten Jungen missbraucht und sich an ihnen sexuell vergangen haben. Das Schweigen der Verantwortlichen damals hat die Notlage der Betroffenen noch verstärkt und ihre Lebensläufe zutiefst beeinflusst. In einem offenen und vertrauensvollen Dialog mit den Opfern ist der Orden als Schulträger seit 2010 darum bemüht, seiner Verantwortung gegenüber den Opfern gerecht zu werden.

Pater Welzel, der sich viele Jahre lang vergeblich um eine bauliche Erweiterung der Schule bemüht hatte, erlebte 1969/70 den entscheidenden Durchbruch: Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joseph Höffner, sagte nicht nur die finanzielle Unterstützung des Bistums für einen völligen Neubau des CoJoBo zu, sondern regte auch die Gründung einer Jungen-Realschule in der Trägerschaft des Ordens an, die dann 1976 mit P. Dr. Johannes Steinmetzler an der Spitze (bis 1985) eröffnet wurde. Nach zahllosen Verhandlungen mit Bistum, Land NRW und Stadt Bonn entstand 1978 – 1980 der Schulneubau für Gymnasium und Realschule. Im Jubiläumsjahr des 100jährigen Bestehens 1980 feierte das CoJoBo den Einzug. Drei Jahre lang standen Alt- und Neubau noch nebeneinander. Nach der Schließung des Internates erfolgte 1983 der Abriss des Altbaus und begannen größere Um- und Neubauarbeiten auf dem ehemaligen Schul- und Klostergelände (bis 1986 Jugendheim "Klemens-Hofbauer-Haus" und Klosterneubau, 2002-04 Seniorenwohnheim "Josephshöhe").

1980 bis heute

Befreit von den Widrigkeiten jahrzehntelanger räumlicher Provisorien, verjüngt durch eine beachtliche Zahl neuer Lehrerinnen und Lehrer und unter der Leitung der Direktoren Pater Dietger Demuth (1980 bis 1993) und Peter Billig (seit 1993) am Gymnasium, wie an der Realschule Pater Peter Niesemann (1985 bis 2006), Dr. Herbert Kolewa (2006 bis 2012) und Dirk Berger (seit 2012) erlebte das CoJoBo seit 1980 viele glückliche Jahre. 2005 beging die ganze Schulfamilie das große Jubiläum „125 Jahre CoJoBo“. Seitdem mussten sich auch Gymnasium und Realschule des CoJoBo mit grundlegenden schulpolitischen Weichenstellungen auseinandersetzen. Die Einführung des Zentralabiturs (seit 2007) und die Verkürzung der gymnasialen Schullaufbahn auf 8 Jahre sind dabei zwei wesentliche Aspekte, die aber für eine größere Reihe struktureller Änderungen im gesamten Bildungssystem Nordrhein-Westfalens und Deutschlands stehen.

Auch heute erfreuen sich Realschule und Gymnasium des CoJoBo einer beständigen Nachfrage aus Bonn und den nordwestlichen Nachbargemeinden beiderseits des Rheins. Ein Blick auf die im Bundesvergleich erfreuliche demographische Entwicklung der Region Bonn und Gottvertrauen lässt das Collegium Josephinum mit Optimismus auch in die Zukunft schauen. Das Angebot einer am Christentum orientierten Einrichtung, die junge Menschen, zumal Jungen, in einer Realschule und einem Gymnasium erziehen, bilden und an den Glauben heranführen möchte, erscheint in der Vielfalt der heutigen Gesellschaft als ein Element, das einem Bedürfnis vieler Eltern entgegen kommt und von dessen Wichtigkeit der Redemptoristenorden überzeugt ist.