Redaktion Schülerzeitung

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Ich wollte nie Bischof werden!

Interview mit Kevin Dowling, C.Ss.R., Bischof in Südafrika

von Gerold Busch, David Winands, Thomas Erdmann
aus dem Englischen zusammengefasst von Thomas Erdmann

Während des Jugendtreffens der Redemptoristen in Limerick hatten wir die Möglichkeit mit Pater Kevin Dowling zu sprechen. Er gehört zu den wenigen Bischöfen innerhalb des Redemptoristenordens und ist vor allem auf Grund seiner Arbeit für Aids-Kranke in Südafrika und den Kampf gegen Apartheid bekannt.

Der gebürtige Südafrikaner wuchs in einer streng katholischen Familie auf. Schon früh hatte er Kontakt mit den Redemptoristen und fand diese immer sehr freundlich, da sie mehr waren als einfach nur Priester. Für ihn, so sagt er, waren sie Freunde und er war begeistert von der Fürsorge, die die Redemptoristen für die Menschen in Afrika aufbrachten.
Und so war es dann wohl auch eher sein Bauchgefühl, dass ihn dazu bewegte Redemptorist zu werden. 1962 legte er seine Profess ab und studierte anschließend in London. Im Jahr 1967 wurde Dowling schließlich zum Priester geweiht.

Schon in seinen ersten Priesterjahren startete Dowling seine schwierige Arbeit in Cape Town. Die Arbeit in den Armenvierteln der Stadt war für lange Zeit eine schwierige Situation und er war kaum auf das vorbereitet, was ihn dort an Elend und Ungerechtigkeit, vor allem den Schwarzen gegenüber, erwartete. Doch die Erfahrungen, die er dort sammeln durfte, das weiß er heute und ist sich ganz sicher, haben sein Leben verändert.
Mit 31 wurde Dowling schließlich Vize-Provinzial befördert. Als immer noch sehr junger Priester hatte er plötzlich sehr viel Verantwortung. In den folgenden Jahren arbeitete er vor allem mit Jugendlichen zusammen, schrieb Bücher und erledigte administrative Aufgaben.
Im Jahr 1990 wurde Dowling dann überraschend zum Bischof ernannt. Worüber sich viele andere Priester freuen würden, machte Dowling traurig. Nie, so sagt er, wollte er Bischof werden und schon gar nicht in seiner Diözese in Südafrika, in der ihn eine ungewisse Zukunft und eine instabile Sicherheitslage erwarteten. Doch nach einiger Zeit lebte sich Kevin Dowling in der sehr kleinen Diözese mit lediglich 16 Priestern in Südafrika ein und begann mit seiner Arbeit gegen Aids und Apartheid.

Das eigentliche Problem, gegen das er und seine 16 Priester kämpfen, ist die hohe Armut. Um die Familie zu ernähren, verlassen viele Väter ihre Familie für eine lange Zeit, um anderswo Arbeit zu finden. Das so verdiente Geld genügt jedoch meist nicht, um die Familie daheim zu ernähren, so dass die Frauen gezwungen sind, ihren Körper gegen Geld anzubieten. Auch die Ehemänner pflegen, weit weg von zu Hause oftmals sexuelle Partnerschaften. Ohne entsprechenden Schutz, stieg die Rate der HIV Infektionen in den letzten Jahren drastisch an. „Es tut sich“, so Dowling wörtlich, „ein Teufelskreis auf! Einzig um zu überleben sind die Frauen auf den Sex mit anderen Männern angewiesen. Zwar können sie so die Familie halbwegs über die Runden bringen, doch ist Aids natürlich ein großes Problem. Der Auslöser für all’ das ist jedoch die Armut.“
Die Zahlen, die Dowling im Folgenden nennt, sind schockierend. Allein in Südafrika haben 5,6 der 44 Millionen Einwohner Aids, in Zimbabwe sind sogar 35% HIV positiv.

In den letzten 17 Jahren seiner Amtszeit hat Dowling daher 120 Krankenschwester eingestellt, die sich um die Kranken kümmern und sie regelmäßig betreuen, sieben Kliniken erbaut, in denen zahlreiche Menschen behandelt werden und ihnen so das Leben gerettet wird, sowie Hospize eingerichtet, in denen die Menschen in „Würde und Frieden sterben können“ und nicht unbeachtet in den Slums der Großstädte krepieren. In den erbauten Kinderheimen kümmert er sich vor allem um Waisen, die ihre Eltern durch die Krankheit verloren haben.
Die Arbeit Dowlings wird vom Staat nicht unterstützt, das Projekt lebt allein von Spenden, was die Situation natürlich erheblich erschwert. Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten hat Dowling ein großartiges Projekt ins Leben gerufen, mit dem er zahlreichen Menschen das Leben rettete.

Doch einzig die Kranken zu versorgen, das weiß Dowling, kann nicht das Ziel eines solchen Projektes sein. Ziel muss es sein, so der Bischof, die jungen Leute über die Gefahren aufzuklären, um so die Infektionsrate zu reduzieren. Dazu muss man aber vor allem gegen die Armut kämpfen und es müssen kulturelle Veränderungen erzielt werden, so dass Frauen nicht mehr nur als „Sex-Objekte“ gesehen werden. „But this is still a long way we have to travel!“, so Dowling.

Kevin Dowling freut sich über Interesse an seinem Projekt. Für weitere Fragen steht er gerne zur Verfügung!

Autor: Thomas Erdmann | Photos: - | Letzte Aktualisierung: 15.06.2008<< Vorherige Seite || Nächste Seite >>