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Umgang mit Belastungen
Junge Menschen, die in sozialen Diensten stehen oder ein sozialen Praktikum machen, werden oftmals Zeuge von starken Belastungen, denen andere Menschen ausgesetzt sind. Solche Belastungen bleiben nicht ohne Wirkung auf die Seele jener Menschen, die helfen wollen. Wenn wir tagein, tagaus mit schweren Lebenssituationen zu tun haben, Klagen hören, viele Tränen fließen sehen, so berührt uns dies und lässt uns nicht gleichgültig. Was sollen wir in solchen Momenten tun, um nicht selbst zu stark mitgerissen zu werden von dem seelischen Kummer, den uns andere berichten?
Es sind drei Dinge, die wir beachten müssen:
1. Wenn ein Mensch belastet ist und das sagen möchte, so ist es notwendig, dass wir uns ihm zuwenden, ihm Gehör schenken. Nur das wirkliche Zuhören hilft dem anderen.
2. Es ist aber auch notwendig, dass wir uns in gewisser Hinsicht abgrenzen, dass wir also nicht ganz in das Leiden des anderen Menschen hineinfallen. Davon hätte er nichts, davon hätten auch wir nichts. Es ist notwendig, dass jemand den Überblick bewahrt und damit dem anderen, leidenden Menschen einen Halt gibt. »Abgrenzen«heißt hier: Zwar bei diesem anderen Menschen sein, ihm auch zuhören, aber sich nicht mit dem Leiden des anderen identifizieren, ihm alles abnehmen wollen, »ganz« für ihn dasein wollen. Es gibt Grenzen zwischen dem anderen und mir, die eingehalten werden müssen.
3. Den Mut, die Bereitschaft und den Willen haben, nach schweren Gesprächen abzuschalten, sich auch den schönen Dingen des Lebens zuzuwenden. Nur der kann wirklich helfen, der sich auch freuen, der auch genießen kann. Es wäre ein Fehler, würde man alle belastenden Erfahrungen und Erlebnisse ständig mitnehmen und sich ständig mit diesen beschäftigen. Man muss eben auch abschalten, sich »distanzieren« können. Nur so tankt man neu auf, gewinnt man neue Kräfte für den Dienst. Und: Man sollte auch nicht vergessen, dass der Beruf selbst immer wieder Augenblicke und Erfahrungen mit sich bringt, die Freude machen und die helfen, mit schweren Stunden umgehen zu können.
Dr. Andreas Kruse