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Infomaterialien und Berichte
zu verschiedenen Arbeitsbereichen und Praktikumsstellen
Ursachen, Erscheinungsbilder und soziale Konsequenzen bei Altersverwirrtheit
Ursachen
Die Altersverwirrtheit kann auf sehrverschiedenartige Ursachen zurückgehen. Die wichtigste Form der Altersverwirrtheit ist die »Senile Demenz vom Alzheimer-Typus«: Diese Krankheit ist mit einem Verlust von Nervenzellen verbunden sowie mit biochemischen und histologischen Veränderungen im Gehirn. Bis heute ist noch nicht (eindeutig) geklärt, woher diese Krankheit kommt. Sie bildet unter den verschiedenen Formen der »»Demenz« die am häufigsten auftretende. - Davon abzugrenzen sind die »Multiinfarktdemenzen«: Sie treten seltener als die erstgenannte Gruppe auf. Für diese Form der Demenz sind mehrere kleine Erweichungsherde im Gehirn verantwortlich zu machen. Als die wichtigsten Risikofaktoren dieser Form von Demenz sind bisher gefunden worden der Bluthochdruck sowie der Diabetes mellitus. - Neben diesen beiden Hauptformen der Demenz lassen sich aber auch noch weitere unterscheiden: Demenzen, die auf einen veränderten Stoffwechsel zurückgehen, die durch Vitaminmangelzustände verursacht sind, die aufgrund eines chronischen Alkoholismus oder eines Medikamentenabusus zustande gekommen sind. Noch weitere ließen sich hier herausarbeiten.
Schon diese vielfältigen Ursachen machen deutlich, dass man in der Frage, woher die Verwirrtheitssymptome stammen, einen behutsamen und diagnostisch sorgfältigen Weg einschlagen muss. Es gibt nicht die Verwirrtheit, sondern es gibt verschiedenartige Krankheiten, die schließlich zur Verwirrtheit führen können.
Verwirrtheitserscheinungen leichterer Art können aber auch dann auftreten, wenn der ältere Mensch in hohem Maße belastet ist. Es besteht die Gefahr, dass er nicht mehr die hohen Belastungen richtig verarbeiten kann und nach und nach mit Verwirrtheitssymptomen reagiert. Solche Verwirrtheitsformen gehen bei klarer und deutlicher Ansprache, bei einer guten Zuwendung und Unterstützung meistens wieder zurück. Verwirrtheitserscheinungen können aber auch dann auftreten, wenn der ältere Mensch geistig nicht mehr richtig gefordert und gefördert wird. Nu r geforderte und geförderte Funktionen lassen sich angemessen aufrechterhalten und weiterentwickeln. Fehlt hingegen diese konsequente Förderung im geistigen und körperlichen Bereich, dann besteht auch die Gefahr, dass sich geistige Funktionen mehr und mehr zurückbilden.
Erscheinungsbilder
Man kann nicht von den Erscheinungsbildern der Verwirrtheit unmittelbar auf die zugrunde liegende Ursache schließen. Psychische Störungen sind meistens »unspezifisch«, d. h. sie lassen - ohne weitere Diagnostik - keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Krankheit oder auf andere Ursachen zu. Aus diesem Grunde ist immer eine sehr sorgfältige ärztliche Diagnosestellung zu fordern, wenn Verwirrtheitssymptome auftreten.
Verwirrtheit kann chronisch sein, sie kann aber auch nur vorübergehend (akut) auftreten. Verwirrtheit kann sich immer weiter verschlimmern, kann aber auch an bestimmten Punkten halt machen; dies hängt jeweils von der zugrunde liegenden Ursache ab. Auch Möglichkeiten der Behandlung müssen sich letztlich anpassen an die eigentlichen Ursachen der Verwirrtheit. Es ist auch möglich, dass ein Mensch in einzelnen Zeitabschnitten Halluzinationen oder Wahninhalte produziert, in anderen wieder klar ist.
Bei den schweren Verwirrtheitserscheinungen, die auf einen Morbus Alzheimer (»Senile Demenz«) zurückgehen, ist der Patient nicht mehr in Raum, Zeit und Person orientiert. - Bei den leichten Formen der Verwirrtheit besteht ein Orientierungsmangel nur vorübergehend; häufig kann nach einem bestimmten Zeitraum wieder die Orientierung voll hergestellt sein.
Zu beachten ist: Schon bei leichteren Formen der Verwirrtheit, bei ersten Mangelerscheinungen ist unbedingt der Arzt in Kenntnis zu setzen. Verwirrtheit ist nicht gleich Verwirrtheit. Da die Ursachen sehr verschieden sind, ist es auch notwendig, dass der Arzt möglichst früh die Gründe für die Verwirrtheit benennt. Außerdem ist zu bedenken: Es ist bei den verschiedenen Formen der Verwirrtheit eine unterschiedliche Form der Behandlung zu wählen; aus diesem Grunde ist es auch notwendig, dass der Arzt möglichst rasch eine gute Diagnostik vornehmen kann.
Soziale Konsequenzen:
Wenn die Verwirrtheit stark ausgeprägt ist, dann sind gerade die Folgen für das soziale Umfeld massiv und belastend. Aber auch schon bei leichteren Verwirrtheitserscheinungen - vor allem dann, wenn sie nicht mehr ganz zurückgehen, entstehen für das soziale Umfeld häufig starke Belastungen: Mit einem Menschen zu tun zu haben, der nicht mehr dauernd orientiert ist und möglicherweise Dinge tut, die sein und das Leben anderer in Gefahr bringen, wird sowohl von Angehörigen als auch von Mitarbeitern als eine massive Herausforderung und Belastung erlebt.
Trotzdem ist es wichtig, den Kontakt zu dem Verwirrten nicht einzustellen, er darf nicht einfach als »unfähig« abgetan werden. Es ist zu bedenken, dass viele Menschen auch in Phasen der Verwirrtheit noch andere Wahrnehmungsmöglichkeiten haben und - wenn auch nicht bewusst und direkt-spüren, wie das soziale Umfeld ihnen gegenüber eingestellt ist. In Grenzen kann man auch versuchen, die Sprache der Verwirrten wenigstens ansatzweise zu verstehen und mit ihnen in einem emotionalen Kontakt zu bleiben. Spüren Verwirrte, dass man sie alleine lässt, so antworten sie darauf häufig mit großer Angst und Erregtheit.
Gerade dann, wenn die zugrundeliegende Krankheit nicht einen sehr massiven Zustand erreicht und dem Patienten alle intellektuellen Funktionen geraubt hat, ist es wichtig, neben der medizinischen Behandlung auch durch eigenes Handeln sowie durch eine Aktivierung des Patienten die Therapie zu begleiten. Die klare Ansprache, ein orientierungsförderndes Umfeld, die Forderung und Förderung im geistigen Bereich sind wichtig für ein begleitendes Handeln.
Treten Verwirrtheitssymptome bei schwerer seelischer Belastung auf und sind sie nicht primär durch Krankheiten verursacht, so ist es ebenfalls wichtig, den Patienten ruhig und unterstützend anzusprechen, ihm die Möglichkeit zu geben, seine Belastungen auszudrücken, und ihn allmählich wieder zu fordern, damit er auch wieder etwas alleine tut.
Andreas Kruse