Eiinblick ins Gehirn

Denkprozesse 'an die Wand geworfen'

BONN. Lernen war zentrales Thema eines Vortragskreises, zu dem Oberstudiendirektor Peter Billig mehr als 400 Gäste in der Aula des Collegium Josephinum begrüßen konnte. Und zufrieden war der Schulleiter erst recht, als fast alle Schüler, Eltern und Lehrer knapp drei Stunden aufmerksam den spannenden und mit Top-Technologien illustrierten Darstellungen folgten: gelungenes Pilotprojekt für die Festveranstaltungen der Traditionsschule zum 125-jährigen Bestehen mit einer Festwoche im Mai.

Dass die führenden Mediziner den Prozess des Denkens im menschlichen Gehirn bildlich darstellen und mittels modernster Beamer in der Aula "an die Wand werfen" können, verschlägt schon noch manchem die Sprache. Die Professoren Dr. Karl Zilles (Jülich / Düsseldorf) und Dr. Christian E. Elgers aus der Klinik für Epileptologie auf dem Venusberg kamen damit der einleitenden Erwartung von Dr. Franz Josef Klassen nach, wonach "die biologische Analyse der Denkprozesse keineswegs die Faszination dieses Phänomens ändert".

Über die Lernprozesse hinaus "zeigt sich dabei, dass jeder geistigen Leistung lokalisierbare Hirnfunktionen zugrunde liegen", bestätigte Zilles nicht nur, sondern riet auch: "Eine wissenschaftlich fundierte Psychologie und Pädagogik wird daher die Ergebniss der Hirnforschung beachten müssen." Und kündigte an, dass "diese für den Menschen und seine Überlebenschancen wichtigste Fähigkeit unseres Gehirns jetzt von der Ebene einzelner Moleküle bis hin zur Verschaltung komplexer Systeme im Gehirn unter anderem durch bildgebende Verfahren analysiert wird."

Wer da noch nicht begriffen hatte, wie nah an der Wissensgrenze aktueller Forschung doziert wurde, dem gönnte Professor Elgers eine zweiten Anlauf. "Eine falsch platzierte Stimulationselektrode" habe bereits 1954 zur Entdeckung des Belohnungssystems im Gehirn geführt, leitet der Epileptologe ein, um dann auszubreiten, wieviel mehr man heute über dieses System weiß, über den dafür hauptverantwortlichen Nervus accumbens etwa und dessen enge Kontakte zum Hippokamus, dem entscheidenden Baustein des Lernsystems und des Gedächtnisses. Erkenntnisse über die Strukturen von Motivation, Belohnung und Erfolgsgefühl als Sonnenseite der Forschung stellte Elgers die Schattenseite gegenüber: "Heroin, Kokain, wahrscheinlich auch Alkohol, verschiedene Medikamente und auch Cannabis aktivieren Bahnverbindungen, die eng mit den Nervus accumbens verbunden sind. Man erklärt darüber die Entstehung von Süchten."

Autor: Bonner Rundschau, 3.3.2005, Jochen F. Rohlinger | Photos: - | Letzte Aktualisierung: 16.11.2005