Szenische Lesung aus den Eichmann-Protokollen
28. Januar 2010
Am vergangenen Mittwoch jährte sich zum fünfundsechzigsten Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee. Anlässlich dieses Gedenktages fand, organisiert von der Fachschaft Geschichte und unterstützt durch die CoJoBo-Stiftung, in der gut gefüllten Aula unserer Schule eine szenische Lesung aus den Eichmann-Protokollen statt. Mit einfachsten Mitteln, zwei Stühle und ein Tisch dienten lediglich als Requisiten, gelang es den beiden Schauspielern Harald Schandry und Bernd Surholt von den Kammerspielen Hannover, das Barbarentum eines der Hauptverantwortlichen für den Holocaust deutlich zu machen.
Adolf Eichmann gilt als einer der bedeutendsten Schreibtischtäter, er hat den Massenmord an unzähligen Juden im Dritten Reich maßgeblich organisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang ihm über Umwege die Flucht nach Argentinien, wo er 1960 vom israelischen Geheimdienst aufgespürt wurde. 1962 wurde er von einem israelischen Gericht zum Tode verurteilt und in Ramleh bei Tel Aviv hingerichtet.
Bei den Eichmann-Protokollen handelt es sich um Aufzeichnungen der Verhöre im Umfeld des Prozesses, die hier sehr eindringlich in Auszügen vorgetragen wurden. Es war bestürzend zu sehen, wie sich einer der Haupttäter hinter einer Bürokratenfassade vor seiner Verantwortung zu verstecken suchte und immer wieder auf seine untergeordnete Position als Befehlsempfänger und seine Erziehung zum Gehorsam verwies. Von Reue keine Spur. Stattdessen permanentes Leugnen: Dass Eichmann in Wahrheit bei der Organisation des Holocausts nicht nur Dienst nach Vorschrift gemacht hat, sondern er den Vernichtungsprozess sogar mit großem Eifer und Akribie zu beschleunigen suchte, davon wollte er im Verhör nichts mehr wissen.
Vor allem die in der Leseung zum Vorschein kommende Emotionslosigkeit Eichmanns angesichts der Grauenhaftigkeit seiner Taten und seine bis zuletzt fehlende Einsicht hinterließen beim Publikum große Betroffenheit.
Sehr ergiebig war auch die Diskussionsrunde zwischen Zuschauern und Schauspielern im Anschluss an die Lesung, in deren Verlauf vor allem die Bedeutsamkeit derartiger Veranstaltungen und der Erinnerung an den Holocaust hervorgehoben wurde.