Der Tod des Kapitäns Cook
Theaterkurs CoJoBo - USH
Bei unserem Stück handelt es sich um eine Ballett-Pantomime in vier Akten, die 1788 – also ein Jahr vor der französischen Revolution – aufgeführt wurde. Sie ist ein Beleg dafür, welche Faszination von Cook und seinen Entdeckungsreisen ausging.
Die Ballett-Pantomime zeigt zweierlei:
1. eine ungebrochene Bewunderung für den großen Seefahrer, dessen Schicksal tragisch überhöht wird.
2. eine Vorstellung von den Südsee-Insulanern, die noch von Rousseaus Vorstellung des edlen, wenn auch naiven Wilden geprägt ist, andererseits aber in ihnen blutdürstige und rachsüchtige Wilde sieht, denen alle höheren moralischen Regungen fremd sind.
Zu ihnen kommt nun Cook als Vertreter der „natürlich überlegenen“ europäischen Zivilisation.
Er rettet nicht nur ein Liebespaar vor Vergewaltigung bzw. Tod, sondern aus Edelmut sogar den Bösewicht des Stücks vor der Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen. Zum Dank ermordet dieser ihn später heimtückisch.
Diese letztlich rassistische Vorstellung von weißer Überlegenheit konnten und wollten wir so nicht aufführen. Unser erste Konzeption sah vor, viele Szenen doppelt zu spielen: ein Mal aus der europäischen Perspektive und ein Mal aus der Perspektive der Insulaner, um so eine Relativierung zu erreichen.
Das Stück selbst badet nun förmlich im Exotismus. Die von den Forschungsreisenden berichtete sexuelle Freizügigkeit zeigt sich im Stück in unzähligen Tändeleien, die an die Schäferspiele des Rokoko erinnern, die anmutig in Form der Ballette inszeniert werden.
In der Maskerade der exotischen Südsee konnten also tabuisierte oder verdrängte Wünsche und Phantasien ausgelebt werden. Wenn man sich dem Stück zufolge in der Südsee nicht liebt, kämpft man erbittert gegeneinander. Und so enthält das Stück viele z.T. ritualisierte Zweikämpfe und eine Schlacht. Der vierte Akt besteht nur aus unzähligen Trauerszenen um den ermordeten Cook vor rauchendem Vulkan.
Das ging mir dann doch zu weit. Selten ist mir eine Streichung leichter gefallen.
Für uns als AG ergab sich das Problem, das natürlich niemand von uns eine klassische Ballettausbildung genossen hat, also im Sinne des Stücks tanzen konnte.
Hinzu kommt, dass das Ballett geradezu opulent ausgestattet war. Im Bühnenhintergrund war ein rauchender Vulkan vorgesehen, der mit einem bevorstehenden Ausbruch die Ankunft der Europäer ankündigt bzw. bei Cooks Tod tatsächlich ausbricht.
Ebenso heißt es in der Hochzeitsszene: 16 Tänzerinnen nähern sich von links, 16 Tänzer von rechts, gefolgt von Musikanten (drei Nasenflötenspieler, zwei Trommlern sowie den Trägern des königlichen Throns etc. etc.).
Unsere AG schmolz relativ schnell auf mehr als die Hälfte der ursprünglichen Teilnehmer zusammen, womit unsere erste Konzeption erledigt war und auch die „Massenszenen“ völlig anders choreographiert werden mussten. Umso dankbarer bin ich den Schülerinnen und Schülern, die trotz ungünstiger Schulbedingungen (Stundenplan, andere schulische Projekte bzw. Verpflichtungen) mit sehr viel Engagement eine kurzweilige Inszenierung erarbeitet haben.
Aber das Theater lebt bekanntlich von Wundern
Unsere AG aus Schülerinnen der USH und Schülern des CoJoBo wurde verstärkt von einem
Schüler des Tabu und:
Unschätzbare Hilfe wurde uns zuteil durch Frau Susanne Dammers vom Heinrich Böll Gymnasium, einer erfahrenen Tanzpädagogin und Choreographin, ohne deren Hilfe das ganze Projekt letztlich gescheitert wäre. Bei ihr möchte ich mich bereits jetzt im Namen der AG herzlich bedanken.
Ebenfalls zu großem Dank verpflichtet bin ich meinem Kollegen Bernhard Lückge, der die Lieder mit den beiden Sängerinnen einstudiert hat und sie am Flügel begleitet.
Last but not least: Frau Mariana Mazzanti ist als Assistentin des europäischen Comenius-Projektes an unserer Schule. Mit ihr hatte ich die Bühnenbilder geplant, aber noch wichtiger: Sie hat diese beiden Bilder buchstäblich in letzter Minute angefertigt. Auch an sie ein ganz herzliches Danke schön.
Unser Stück war das erste Stück, das eine Schule jemals im Rahmenprogramm einer Ausstellung der Bundeskunsthalle aufgeführt hat und entsprechend nun archiviert wird. Dies macht uns natürlich besonders stolz.